Lebensmittelfotografie – Tipps und Tricks

von Uschi Amm am 30. Juli 2020

Gut gemachte Lebensmittelfotografie kann vieles. Doch vor allem kann sie eines: die Lust auf Essen hervorzaubern. Und was wären Webseiten von Restaurants, Speisekarten, Rezepttipps in Magazinen oder Kochbücher ohne Lebensmittelfotografie? Richtig gute und ansprechende Food-Bilder zu machen, ist aber gar nicht so einfach, wie es manchmal den Anschein hat. In ein gelungenes Foto müssen viel Vorbereitung, Erfahrung und Detailliebe gesteckt werden. Wir haben in diesem Beitrag einige Tipps und Tricks zusammengestellt, wie das perfekte Food Foto gelingen kann.

Noch vor dem ersten Schuss: Vorbereitung ist die halbe Miete

Anders als andere Bildkategorien ist die Lebensmittelfotografie ein Stillleben. Das bedeutet, der Fotograf hat dabei einen entscheidenden Vorteil: Zeit! Egal wie ausgereift das Fotokonzept ist, vor Ort läuft auch mal etwas anders als geplant. Bei einem Stillleben kann die Person hinter der Kamera dann verschiedene Bildzusammenstellungen ausprobieren und damit experimentieren – noch bevor der erste Schuss gemacht wird. Vielleicht sieht der Löffel neben der Schüssel ja besser aus als in der Schüssel? Die richtige Komposition zu finden, ist dabei einfacher und geht schneller, als mit einem Model vor der Linse. Die Kontrolle, die man dabei über jedes Element des Bildes hat, ist eine Besonderheit der Lebensmittelfotografie.

Die richtige Vorbereitung ist alles. Dazu gehören in diesem Fall natürlich das Besorgen der Nahrungsmittel sowie der dazugehörigen Requisiten. Je nachdem, was hier vor die Linse kommt, muss einiges vorbereitet werden.

Die richtige Shoppingliste

Ein durchdachter Einkauf beugt bereits späterer Mehrarbeit vor. Beispielsweise durch die Auswahl von Gemüse ohne Druckstellen und ohne Verfärbungen, schrumpeligen Stellen und Ähnliches. Denn die Kartoffel, die schon Triebe hat und das welke Salatblatt, machen keine Lust aufs Essen. Währenddessen sieht das frische und knackig aussehende Stück gelbe Paprika am Schluss auf einem Bild sehr appetitlich und ansprechend aus.

Lebensmittelfotografie: ein schön angerichtetet Teller mit verschiedenen Früchten

Bei Früchten machen sich vor allem exotische Früchte mit interessanten Formen und Farben sehr gut. Dadurch, dass man diese seltener sieht, ziehen sie Blicke auf sich und können damit einen Fokus setzen. Die knallig pinke Drachenfrucht und die Sternfrucht sind dabei zwei häufig gewählte Blickfänger.

Auch bei Fleisch und Fisch kann man sich einen Gefallen tun, indem man Bioqualität kauft. Bei Fleisch mit schlechterer Qualität ist viel mehr Wasser enthalten, das beim Kochen austritt. Somit verliert das Fleisch mehr an Volumen als sein Bio-Gegenstück und sieht am Schluss trocken aus oder ist vielleicht zu klein für den gewählten Teller und die restliche Mahlzeit..

Auf keinen Fall vergessen darf man am Schluss die Deko. Dazu gehören besonders frische Kräuter und Gewürze. Diese lockern das Bild auf.

Zusammengefasst heißt das, beim Kauf ist folgendes wichtig:

  • Gemüse und Obst ohne Druckstellen
  • Außergewöhnliche Früchte als Highlight
  • Fleisch und Fisch in Bioqualität
  • Gewürze und Kräuter als Deko

Das Theater mit den Requisiten

Ein weiterer Punkt, den man bei der Lebensmittelfotografie nicht unterschätzen darf: die Requisiten. Natürlich sind die Nahrungsmittel der Star, aber die richtigen Details helfen diese in das richtige Licht zu rücken. Denn ein noch so toll angerichtetes und fotografiertes Gericht sieht auf einem einfachen weißen Teller langweilig aus.

Deshalb ist es wichtig sich vorher Gedanken zu machen, welche Stimmung das Bild ausstrahlen soll. Richtet man etwas auf einem Holzbrett an, wirkt das Gesamtbild sehr rustikal, während eine Schiefertafel einen moderneren Ton anschlägt. Auch Requisiten, die man auf jedem Tisch findet, wie Tischdecken oder Besteck, können helfen, eine gewisse Grundstimmung zu erzeugen. Je nachdem, wie das Bild wirken soll, müssen Sie die passenden Utensilien vorher besorgen.

Sollen rohe, beziehungsweise unverarbeitete Lebensmittel, noch als Deko eine Rolle spielen, ist es am Besten, die Zutaten zu nutzen, die auch in der Mahlzeit selber enthalten sind. Ein paar ganze Tomaten neben einem Töpfchen voller frischer, kräftiger Tomatensoße, ergibt beispielsweise ein stimmiges Bild. Ist so etwas geplant, muss man das natürlich schon beim Einkauf beachten.  

Lebensmittel zu Food-Models machen: die Zubereitung

Auch wenn bestimmte Komponenten noch vor- oder zubereitet werden müssen, gibt es Tipps und Tricks. Ein wichtiger Punkt: nichts wegschmeißen! Sogar nicht genutzt Apfelschnitze können später in die Bildkomposition einbezogen werden. Ein super Dekoelement, das dem Obstsalat den letzten Kick verpasst.

Apropos Apfelschnitze – der angeschnittene Apfel wird schnell braun. Deshalb ist der zeitliche Ablauf wichtig und sollte gut geplant werden. In diesem Fall hilft der altbekannte Tipp mit der Zitrone, wenn es etwas dauern sollte.   

Muss vor dem Shooting noch etwas gekocht werden, sollte alles möglichst nur kurz gegart oder erhitzt werden. So halten sich Farben besser, Gemüse wirkt zum Beispiel knackiger während Fleisch saftiger aussieht. 

Über den Tellerrand schauen: Tipps für das Anrichten   

Je nachdem, um was für eine Art Lebensmittel Shooting es sich handelt, gibt es vielleicht einen Foodstylisten, der eine Mahlzeit sowohl zubereitet als auch gekonnt in Szene setzt. Damit hat es der Fotograf natürlich leichter. Denn ein Gericht appetitlich anzurichten, ist gar nicht so einfach.      

Lebensmittelfotografie sollte natürlich die abgelichteten Nahrungsmittel in den Fokus stellen – und zwar möglichst so, dass sie unwiderstehlich wirken. Dazu hier einige Tipps und Tricks, falls kein Foodstylist vor Ort ist:  

  • Komplementärfarben nutzen
  • Formen abwechseln
  • Mit der Anordnung experimentieren 
Lebensmittelfotografie: eine Schüssel Salat, daneben ein Teller mit einer Portion des Salats

Besonders das Spiel mit den Farben, kann ein Bild komplett verändern. Ein typisches Beispiel wäre hier grün und rot. Eine kräftig rote Tomate sieht mit ihrem grünen Strunk viel besser aus als ohne. Dasselbe gilt auch für die verarbeitete Tomate: Soße oder Suppe machen mit einigen grünen Kräutern als Deko gleich viel mehr her.

Auch verschiedene Formen ergeben ein spannendes und nicht so eintöniges Bild. Eine runde Platzdecke, darauf ein großer runder Teller und eine runde Schüssel sehen zwar harmonisch aus, aber gleichzeitig zu brav und damit langweilig. Ist der Teller aber beispielsweise quadratisch, macht das Gesamtbild gleich einen ganz anderen Eindruck.

Die Anordnung der verschiedenen Elemente auf dem Teller selbst ist ebenfalls nicht ohne. Geht man nach der klassischen Art anzurichten, haben alle Bestandteile der Mahlzeit ihren festen Platz: das Gemüse rechts, Sättigungsbeilage links und das Fleisch zeigt zum Gast – oder in diesem Fall zur Kamera. Möchte man etwas moderner werden, gibt es inzwischen auch andere Möglichkeiten. Beispielsweise kann man die drei Hauptkomponenten der Mahlzeit direkt übereinander positionieren. Oder man richtet Gemüse, Sättigungsbeilage und Fleisch komplett getrennt an – auf drei verschiedenen Tellern. Je nachdem für was die Bilder am Ende benötigt werden, kann man hier die modernere oder die klassische Variante wählen.

Sobald die Mahlzeit angerichtet ist, müssen alle Handgriffe sitzen und die Fotos möglichst bald im Kasten sein. Denn je länger ein frisch zubereitetes Gericht steht, desto unappetitlicher wird es. Auch auf Fotos kann man dieses Phänomen beobachten. Deshalb gilt, die Vorbereitung und das Timing sind alles!

Perspektive – Vogel, Frosch oder doch zentral?

Besonders die Vogelperspektive sieht man in der Lebensmittelfotografie häufig. Damit kann man eine schön angerichtete Mahlzeit und den dazugehörigen Tisch einfach gut in Szene setzen. Bei manchen Essen ist es aber geeigneter aus der Zentralperspektive zu fotografieren. Am meisten Sinn macht das bei Objekten, deren Besonderheit erst durch einen Blick auf die seitliche Ansicht klar werden. Alles was beispielsweise viele Schichten hat, sollte diese auch stolz präsentieren. Ein Burger aus der Vogelperspektive ergibt nicht viel Sinn, von der Seite aus betrachtet, sieht das wieder ganz anders aus. Dasselbe kann man bei Torten oder etwa einer Lasagne beobachten – von oben langweilig, von der Seite beeindruckend!

Lebensmittelfotografie: ein Sandwich von der Seite fotografiert
Durch die seitliche Perspektive wird dieses Sandwich erst richtig lecker!

Der Stand der Technik: Reicht das Smartphone?!   

Die Ausrüstung hängt viel vom Zweck ab, für den die Bilder geschossen werden. Viele Smartphones machen inzwischen wirklich gute Aufnahmen. Aber für eine druckreife Qualität sollten Sie dennoch auf eine ordentliche Spiegelreflexkamera setzen. Geht es „nur“ um Instagram, reicht durchaus auch ein qualitativ hochwertiges Foto eines guten Smartphones.

Schlussendlich kann man mit Bildern einer Spiegelreflexkamera leichter arbeiten. Diese liefern im Normalfall besonders hochwertige RAW-Dateien, die sich gut bearbeiten lassen. Es ist immer leichter, wenn man von höherer Qualität auf niedrigere herunterrechnet. Andersrum sieht es dagegen sehr schlecht aus. Aus einem verpixelten Bild ein qualitativ hochwertiges zu zaubern, ist praktisch unmöglich.

Alles ins rechte Licht rücken: die Beleuchtung

Neben der Kamera selbst ist außerdem noch die Beleuchtung von zentraler Bedeutung. Für die Lebensmittelfotografie ist dabei Tageslicht besonders geeignet. Das weiche Licht schmeichelt dem Motiv und lässt es appetitlich aussehen. Wenn es aus irgendeinem Grund schwierig ist, mit echtem Sonnenschein zu arbeiten, sollte man versuchen, den Effekt in etwa nachzustellen. Grelles und direktes Licht sind nicht ideal. Stattdessen sollte man etwas mit einer weicheren Belichtung experimentieren. Wenn Sie trotzdem mit Tageslicht shooten wollen, aber das Timing einfach nicht hinhauen will, können Sie auf eine Tageslichtlampe zurückgreifen. Diese gibt es in vielen Preiskategorien – also auch in relativ günstig – und man kann gut mit Ihnen arbeiten.

Fazit: Lebensmittelfotografie hat ihre Vor- aber auch Nachteile  

Ein besonders praktischer Vorteil an der Lebensmittelfotografie ist Kontrolle. Anders als beispielsweise bei Landschafts- oder Architekturfotografie kann der Fotograf alle Elemente auf dem Bild problemlos beeinflussen. Der große Kochtopf im Hintergrund sieht noch nicht richtig aus? Dieser lässt sich jederzeit mit einem kurzen Handgriff umstellen. Arbeitet man mit einem Model, hat man ein für sich selbst denkendes Motiv. Man kann zwar Anweisungen geben, bis diese dann nach den eigenen Vorstellungen umgesetzt werden, kann es aber dauern.

Apropos Zeit – diese ist ein weiterer Vorteil der Lebensmittelfotografie. Aber gleichzeitig auch ein Nachteil! Für die Vorbereitungen und um die richtige Bildkomposition zu finden, kann sich der Fotograf auch mal etwas mehr Zeit nehmen. Gleichzeitig läuft aber die Uhr, sobald ein fertig angerichtetes Essen vor der Kamera steht. Ein toll dekorierter Eisbecher hat nur eine vergleichsweise kurze Lebensdauer.

Bei der Lebensmittelfotografie muss auf vieles geachtet werden. Von den Standards, wie der richtigen Ausrüstung und den Requisiten, bis hin zur Shoppingliste und der richtigen Zubereitung der Lebensmittel. In dieser Art der Fotografie vereinen sich einige Kunstformen. Nicht jeder Fotograf ist dieser Herausforderung gewachsen. Wir unterstützen Sie dabei gerne. Riegg Markenkommunikation hat eine lange Food-Geschichte und viele zufriedene Kunden in diesem Bereich. Melden Sie sich gerne jederzeit bei uns!

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