Sonjas Welt.

Fast wie ein Roman über die Geschichte der kognitiven Poetik. // September 28

Hätte Jostein Gaarder Sonja gekannt, dann hieße sein berühmter Roman sicherlich Sonjas Welt und er handelte auch nicht von Philosophie, sondern von Poetik. Und von Aliens. Von Regieassistenz und ja, auch eine Prise Musiktheater und Ballett wären Teil der Geschichte.

Aber der Reihe nach. Wir schreiben ein Jahr irgendwann in den 90ern als Klein-Sonja in der Stadtbücherei einen Stapel Literatur zum Ausgang balanciert, der annähernd ihrer Körpergröße entspricht. Hier wird sie jäh von der Bibliothekarin gebremst, die ihr verbietet, mehr Lesestoff auszuleihen, als sie innerhalb der Leihfrist zu lesen imstande sei. Sonja nimmt die Hälfte der Bücher, bringt sie nach drei Tagen (gelesen) zurück und holt sich triumphierend den Rest. Dieses Ereignis erzählt uns drei Dinge über Sonja:

Sie hat eine unglaubliche Auffassungsgabe. Sie kann nicht ohne Literatur leben. Sie erreicht Ziele mit subtiler Hartnäckigkeit.

„Wie kann ich Science Fiction realisieren, ohne zur NASA zu gehen und Astronautin zu werden?“

Inspiriert von Unmengen an Buchstaben in ihrem Kopf beginnt sie mit einem Science Fiction-Roman über Aliens, studiert Musiktheaterwissenschaft (während sie gleichzeitig besessen für Ballettwettbewerbe trainiert) und arbeitet als Regieassistentin am Landestheater Coburg. Ihr Masterstudium Literatur und Medien führt sie schließlich an die Uni Bayreuth. Und hier entfacht eine junge Dozentin in ihr die Leidenschaft für kognitive Poetik. Das relativ junge Forschungsfeld wird Sonjas Steckenpferd.

Sonja ist deshalb unsere Expertin, wenn es darum geht zu verstehen, wie Text unsere Vorstellungskraft triggert. Nur wegen Sonja wissen wir, dass die Deixis im Text dem Leser zeigt, wo‘s langgeht. Und dass Embodiment beschreibt, wie wir mit allen Sinnen wahrnehmen. Konzeptionelle Metaphern, Skripte, Schemata - ha! Ein Klacks für uns, seit wir dank ihr sensibilisiert sind fürs Zwischentextliche. Was das genau bedeutet? Äh, also am besten, Sie lesen es bei Sonja nach.

Heute ist Sonja übrigens Texterin bei uns und darf in der Stadtbibliothek Bücher in unbegrenztem Umfang ausleihen. Aber das dachten Sie sich bestimmt schon.