TikTok für Unternehmen – Alles über die neue Nummer 1

von Uschi Amm am 20. Mai 2020

TikTok für Unternehmen – braucht doch kein Mensch! So denken (noch) einige. Das Phänomen nimmt trotz allen Neinsagern immer weiter Fahrt auf. Zunächst war die App vor allem bei Teenagern sehr beliebt, doch schon seit einiger Zeit finden weitere Zielgruppen Gefallen daran. TikTok hat dank weltweiten Quarantänen rasant wachsende Nutzerzahlen zu verzeichnen und inzwischen sogar die zwei Milliarden Downloadmarke geknackt! Zumindest ein Blick darauf lohnt sich also.

TikToks Geschichte: Lipsyncen und Videoschnittprogramm in einem  

TikToks Wurzeln liegen in der App Musical.ly. Das Konzept dahinter war simpel: zu bekannten Songs (oder anderen Tonschnippseln) synchron die Lippen bewegen. Diese Idee war nicht einzigartig. Dubsmash beispielsweise genoss eine Zeit lang Erfolg mit dem gleichen Prinzip. Einige interessante Zusatzfunktionen beim Schneiden der Videos gaben Musical.ly aber noch mehr Pepp und hoben es von anderen ähnlichen Plattformen ab. 2017 wurde die App dann von Bytedance gekauft und rebranded. Mit dem neuen Namen TikTok folgten noch einige Funktionserweiterungen und die App, wie wir sie heute kennen, war geboren. 

Warum ist TikTok so beliebt?

Diese Frage stellen sich viele nicht-Teenager. Dabei ist die Antwort so simpel: TikTok macht Spaß! Egal ob man sich Videos von anderen anschaut oder selbst welche dreht, Unterhaltung ist garantiert. Und zwar in einer erstaunlichen Frequenz. Videos sind in kleine Portionen von maximal 60 Sekunden verpackt (meist kürzer) und in Schleifen angelegt. Der Algorithmus lernt die eigenen Präferenzen extrem schnell und zeigt auf der sogenannten „Für dich“ Seite ein Video nach dem anderen, das dem Geschmack des Users entspricht. Das Suchen nach Content, der gefällt, wird einem also abgenommen. Und so halten Nutzer sich manchmal erstaunlich lange auf ihrer „Für dich“ Seite auf – ohne es zu merken. Im Schnitt verbrachten deutsche User 2019 50 Minuten täglich auf TikTok. Und die Zahl wird inzwischen noch zugelegt haben.

TikTok für Unternehmen: Smartphone Bildschirm mit TikTok Icon, mit 99 neuen Benachrichtigungen
TikTok für Unternehmen: Unterschätztes Marketing Tool

Ein weiterer Pluspunkt der App ist Kreativität. Die wenigsten Videos zeigen einfach nur Menschen, die eine Tonspur mitsprechen. Viel Nutzer schöpfen die Möglichkeiten voll aus, die TikTok bietet. Von Schnitten zu Stickern, Filtern, verschiedenen Geschwindigkeiten und dem Timer – mit TikTok kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen und mitunter echte Meisterwerke kreieren. Einer der größten deutschen Creator falcopunch ist beispielsweise für seine professionell aussehenden Videos mit spektakulären Übergängen bekannt. Dabei ist die Bedienung der App super intuitiv. Dreht man also selbst, bleibt die Frustration aus, die komplizierte Videoschnittprogramme mitunter bei Laien auslösen.

Wie funktioniert TikTok?

Öffnet man die App landet man zuerst auf der Home Seite. Dort startet direkt das erste Video, ohne Zutun vom User. Man kann zwischen zwei Feeds wählen: „Folge ich“ und „Für dich“.  Wie schon erwähnt, werden Usern auf der „Für dich“-Seite Videos angezeigt, von denen TikTok denkt, dass sie dem Nutzer gefallen. Schafft es ein Video in den „Für dich“-Feed wird es vom TikTok-Algorithmus also als gut eingestuft. Daraus ergeben sich dann dementsprechend viele Views. Deshalb sind auch viele Videos mit Hashtags wie #foryou #fürdich #fyp und so weiter gekennzeichnet.

Videos, die angezeigt werden, kann man ganz klassisch liken, kommentieren und teilen. Außerdem kommt man mit Druck auf das Profilfoto rechts oben auf das Profil des Videoerstellers. Durch das kleine Plus direkt unter dem Icon kann der Ersteller direkt abonniert werden. Außerdem sieht man links unten im Bild noch eine Beschriftung des Videos (hier finden sich auch die genutzten Hashtags) sowie direkt darunter, die Quelle des verwendeten Tons. Direkt daneben, rechts unten sieht man außerdem das Profilbild der Tonquelle.

TikTok für Unternehmen: Screenshot des Entdecken Tabs

Neben dem Home Tab gibt es noch den Entdecken Tab. Hier kann man ganz normal die Suchfunktion benutzen. Aber hier findet man auch alle gerade angesagten (bezahlten) Hashtags mit den beliebtesten Videos dazu. Ganz oben befinden sich die Hashtags, die gerade gesponsert werden. Zu Coronazeiten sind hier auch Aktionen von TikTok selbst zu sehen, wie Zuhause mit TikTok. Hier werden Live Highlights der Woche vorgestellt. Beispielsweise wird hier angekündigt, wann bekannte Künstler wie Clueso und Tokio Hotel auf TikTok live gehen.

Will man ein eigenes Video kreieren drückt man das Plussymbol in der Mitte. Zusätzlich dazu gibt es dann noch zwei weitere Tabs den Posteingang mit den typischen Benachrichtigungen: bei Likes, Kommentaren und neuen Abonnenten. Außerdem gibt es noch den Ich Tab, also die eigene Seite.

TikTok für Unternehmen nutzen

Für Unternehmen gibt es mehrere Möglichkeiten TikTok zu nutzen:

  • Content Marketing
  • Paid Advertisment
  • Influencer Marketing

Content Marketing

Im Gegensatz zu den anderen zwei Optionen brauchen Unternehmen für Content Marketing einen eigenen TikTok-Account. Darauf wird dann, wie bei anderen Social Netzwerken auch, Content hochgeladen und geteilt. Interessant ist diese Variante auch für das Employer Branding.

Ein gutes Beispiel für cleveres Content Marketing auf TikTok ist Congstar. Sie stellen fast täglich Videos aus ihren Büros mit ihren Mitarbeitern online. Einige der Videos gehen viral und haben dann schon mal zwischen zehntausend bis mehreren hunderttausend Views. So ist Congstar in aller Munde.

Hierbei zahlt das Unternehmen, um seine Ads in der App anzuzeigen. Diese Werbung kann unterschiedlich aussehen und unterschiedliche Ausmaße annehmen.

TopView

Bei dieser Art von Anzeige, wird ein maximal 60-sekündiges Video einer Marke direkt beim Öffnen der App gespielt: also direkt „at the top“. Anders als bei normalen Videos, sind die Optionen am Rand nicht eingeblendet. Das heißt das Video nimmt 100% des Bildschirms ein – fast. Oben rechts wird ganz klein eine Option „Anzeigen überspringen“ eingeblendet. Nach etwa drei Sekunden erscheinen dann die normalen Optionen und Nutzer können mit dem Beitrag interagieren.  

Brand Takeover

Auch hier wird Content direkt nach dem Öffnen der App angezeigt. Im Gegensatz zu Top View sind hier aber Bilder oder GIFs die Norm. Diese nehmen ebenfalls 100% des Bildschirms ein, sind aber begrenzt auf drei bis fünf Sekunden. Sowohl bei Top View als auch bei Brand Takeover sind maximale Reichweite und Aufmerksamkeit garantiert.

In-Feed Ads

Bei den In-Feed Ads handelt es sich um Videos, die Benutzern in ihrem „Für Dich”-Feed angezeigt werden. Sehr organisch erscheinen die Ads zwischen normalen Beiträgen anderer User. Normalerweise sind diese Videos zwischen 5 und 15 Sekunden lang.

Branded Hashtag Challenge

Dabei kann man als Marke beweisen, dass man seine Zielgruppe versteht. Eine Marke ruft eine Challenge ins Leben, um die Kreativität seiner (zukünftigen) Abonnenten anzukurbeln – meist wird dazu ein Sound und ein „Anleitungsvideo“ zur Verfügung gestellt. Die User werden dann dazu aufgerufen die Challenge selbst auszuprobieren, in einem Video festzuhalten und mit dem entsprechenden Hashtag zu kennzeichnen. Oft werden bekannte Influencer eingebunden, die den Trend ins Rollen bringen sollen. Auch hier kann Congstar als Vorbild dienen. Der Mobilfunkanbieter hat mit Challenges experimentiert. Die Letzte lief unter #probiertwasgeht und hatte eigentlich gar nichts mit der Branche von Congstar zu tun. So waren auch die Nutzer sehr frei in ihren Auslegungen. Und genau das sprach sie an! Allein der Hashtag wurde über 600 Millionen Mal aufgerufen und beliebte Videos #probiertwasgeht haben über 100.000 Likes.

TIPP: Bei Hashtag Challenges nicht krampfhaft versuchen einen Markenbezug einzubinden! Auch wenn die Clips selbst keine direkte Beziehung zum Unternehmen haben, wird trotzdem bei jedem Video durch die Soundwahl der Name und das Logo der Marke auftauchen.

Branded Effects

Sticker, Filter und Special Effects wie 2D, 3D und Augmented Reality fallen unter diese Kategorie. Auch hier gibt man den Nutzern die Möglichkeit ihrer Kreativität vollen Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig hat man die Möglichkeit den Markennamen sehr organisch in Nutzervideos einzubringen.

TikTok unterstreicht seine Ad-Freundlichkeit durch eine Selbstbuchungs-Werbeplattform. Unternehmen können hier Werbekampagnen direkt buchen. Aufgebaut ist die Plattform wie der Werbeanzeigen Manager von Facebook. Und auch das Vorgehen ist sehr ähnlich.

  1. Kampagne anlegen und Kampagnenziel auswählen
  2. Budget festlegen
  3. Anzeigengruppe anlegen und Platzierung festlegen
  4. Targeting
  5. Biet- und Optimierungsmechanik wählen
  6. Anzeige(n) erstellen
  7. Kampagnen über das Dashboard verwalten

Wer schon mal auf Facebook eine Kampagne angelegt hat, wird sich auch auf dieser Plattform zurechtfinden. Finden Sie sich doch nicht zurecht und wünschen sich Unterstützung? Melden Sie sich gerne jederzeit bei uns für einen unverbindlichen Termin.

Influencer Marketing

Beim Influencer Marketing sucht sich das Unternehmen einen bekannten Creator der Plattform und bezahlt diesen, um beispielsweise Produkte in seinen Content einzubauen. Videos von den Top Creators der Plattformen werden mitunter mehrere Millionen Male angeschaut. Die Reichweite einer solchen Zusammenarbeit sollten Sie also keinesfalls unterschätzen.  

TIPP: Im Moment können Sie – vor allem verglichen mit Instagram-Influencern! – hier noch richtige Schnäppchen machen.

Warum TikTok für Unternehmen und Kooperationen mit Influencern besonders geeignet ist

Authentizität ist das Stichwort, welches für Abonnenten, Follower und potentielle Kunden interessant ist – und somit auch für Unternehmen. Eine Studie der Marketing Plattform Takumi listet die häufigsten Gründe auf, warum sich Menschen dazu entscheiden, Influencern nicht mehr zu folgen. Hier sind die Plätze 1 – 4:

  1. Unpassendes / unecht wirkendes Sponsoring
  2. Unrealistische oder unerreichbare Darstellung von Lifestyle oder Body Image
  3. Missrepräsentation der Person oder des Lifestyles
  4. Gekaufte Follower

Betrachtet man diese Punkte, wird klar: Menschen wollen inzwischen auf Social Media vor allem eins – Authentizität! Während auf anderen Plattformen die „perfekte Inszenierung“ noch im Mittelpunkt steht, ist das auf TikTok anders. Chaotische Umgebung oder eine Gesicht ganz ohne Make-up? Auf Instagram praktisch undenkbar, auf TikTok dagegen an der Tagesordnung. Dahinter verbirgt sich ein weiterer Grund, warum die App so beliebt ist (siehe 2.).  

Hier steckt auch der Erklärung, warum TikTok für Unternehmen und deren Kooperation mit Influencern besonders gut geeignet ist. Konsumenten werden von Influencern in ihren Kaufentscheidungen beeinflusst. Laut Statista gaben 43 % der 16- bis 24-jährigen Befragten an, schon einmal ein Marke ausgewählt beziehungsweise ein Produkt gekauft zu haben, weil sie die Marke bei einem Influencer gesehen haben. Die Zahl sinkt bei den weiteren Altersgruppen, bleibt aber dennoch relevant. In der Studie von Takumi geben sogar 19 % der Befragten an, dass sie einer Empfehlung von einem Influencer mehr Glauben schenken als wenn der Tipp von einem Freund kommt. Influencer Marketing ist daher für Unternehmen erwiesenermaßen wirksam. Ist das Ganze gekoppelt mit einer ordentlichen Prise Authentizität, wird das Potenzial einer solchen Kampagne hoch. Da TikTok vor allem für seine authentischen Inhalte bekannt ist, bietet die Plattform damit ideale Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Kooperation.

TikTok und seine Kontroversen

TikTok hat seit seinem Bestehen auch einige Negativschlagzeilen gemacht. Die App hat ihren Ursprung in China. Da klingeln bei einigen die Datenschutz-Alarmglocken. Denn wo genau die Daten von Usern gespeichert und für was sie genutzt werden, ist nicht klar aus öffentlichen Quellen ersichtlich.

Des Weiteren können Videos ohne Registrierung angesehen werden. Eigentlich ist die App erst ab 13 Jahren. Will man aber einen neuen Account anlegen, stellt diese kleine Hürde eigentlich gar keine dar. Ein Fenster poppt dabei auf, in dem man bestätigen muss, dass man über 13 Jahre alt ist. Beweisen muss der User nichts. Deshalb ist auch die Frage nach dem Jugendschutz in diesem Fall nicht unter den Teppich zu kehren. 

Ein weiteres Problem mit dem TikTok zu kämpfen haben, ist die Zensierung von fragwürdigem Content. Sexuelle oder gewalttätige Inhalte lassen sich nicht leicht ausfindig machen und es ist genauso schwierig diese zu unterbinden oder zu blocken. Das müssen Sie als Unternehmen im Hinterkopf behalten.

Fazit: TikTok hat einige Probleme mit dem Daten- sowie dem Jugendschutz. Doch vergleicht man die App mit anderen ähnlichen Plattformen, stellt man fest, dass diese Schwierigkeiten nicht auf TikTok begrenzt sind. Vor allem die jüngeren User davon abzuhalten, sich Accounts anzulegen, ist praktisch unmöglich.

Musikalische Erfolgsgeschichte: Mit TikTok auf Platz eins der Charts

Trotz einiger Probleme kann TikTok auch viele Erfolgsgeschichten vorweisen. Vor allem Musiker haben die App für sich entdeckt, um damit relativ kostengünstig und mühelos neue Musik zu promoten.

Loredana, eine Deutschrapperin aus der Schweiz mit kosovarischen Wurzeln, weiß die App genau für sich zu nutzen. Ihre neuste Single „Du bist mein“ schaffte es auf Platz eins der deutschen Charts – durch TikTok! Fans konnten auf TikTok live im Studio mitverfolgen, wie der Song entstand. Dann rief die Künstlerin eine neue Hashtag Challenge ins Leben: die #dubistmein-Challenge, die den Refrain des neuen Songs zur Verfügung stellt. Der Clou dabei – 20 Fanvideos werden ausgewählt und in das offizielle Musikvideo eingebunden. Bevor der Song offiziell herauskam, hatte er auf TikTok dadurch schon über acht Millionen Aufrufe. Als „Du bist mein“ dann für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich war, sprang das Lied direkt auf Platz eins der Charts.

Userdaten: Ist die Zielgruppe meines Unternehmens auf TikTok?

Zum Schluss noch ein Überblick zu den Usern auf TikTok. Vor allem dank der Quarantäne ist die Zahl der Nutzer in den letzten Wochen enorm gestiegen. Aber nicht nur das: Auch die Altersgruppen, die sich dafür interessieren, sind diverser geworden. Dieser Trend zeichnete sich schon 2019 ab. Schließlich sucht jeder ab und an nach einem amüsanten Zeitvertreib.

Wie sehen die interessantesten Zahlen aus?
(Da TikTok nur unregelmäßig Statistiken ausgibt, handelt es sich hierbei noch um Daten von 2019.)

  • 800 Millionen monatliche Nutzer weltweit
  • 5,5 Millionen monatliche User in Deutschland
  • 13,4 Mrd. Views monatlich in Deutschland
  • 50 Minuten verbringen deutsche User im Schnitt täglich in der App
  • 41% der deutschen Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahren
  • 60% der deutschen User sind weiblich, 40% männlich 

Außerdem hat TikTok im ersten Quartal mehr Downloads als WhatsApp und Instagram verbuchen können und dabei sogar die zwei Milliarden Downloadmarke geknackt.

Fazit: TikTok für Unternehmen bietet viele Chancen

Durch den TikTok spezifischen Algorithmus schaffen es auch unbekannte Accounts mit wenigen Abonnenten, viele Views zu generieren. Wer es auf die „Für dich“-Seite schafft, kann das Potenzial der App also für sich nutzen, egal ob großer Creator oder Neuling. Auch für Unternehmen, die Kooperationen eingehen, gibt es viele Chancen viral zu gehen. Aber auch außerhalb des Influencer Marketings bietet TikTok einige Möglichkeiten. Vom Employer Branding bis zu Hashtag-Challenges ist alles möglich. Am Trend der Downloads und Userzahlen kann man deutlich erkennen, dass die App gerade auf ihrem Weg an die Spitze ist. Wer jetzt kreativ ist und die richtigen Ideen gut in das TikTok-Format verpackt, bringt sein Unternehmen damit voran.

Sie interessieren sich für die Besonderheiten von Social Media Kanälen im Businessbereich? Dann werfen Sie doch mal einen Blick auf unseren Blogbeitrag zum Thema Instagram für Unternehmen.

Bildquelle Beitragsbild:
ID 1200715713: Anatoliy Sizov / Signature Kollektion / iStock.com

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